Den Konformismusvorwurf kann man sich in Richtung des Wiener Schwaben Ulrich Drechsler getrost schenken. Vielmehr ging es dem umtriebigen Bassklarinettisten stets darum, Grenzen zu überschreiten, den eigenen Klanghorizont zu erweitern, dabei aber nie zu vergessen, dass auf diese Reise auch eine geneigte Zuhörerschaft mitzunehmen ist. Egal ob es ihm um eine Neudeutung von Schuberts Liederzyklus "Die Winterreise" ging, um das Neuvermessen des Monkschen Werkes oder um Lounge- und Ambientexkurse mit der Formation Drechsler, stets hielten sich künstlerischer Anspruch und Zugänglichkeit gekonnt die Waage. Dies ändert sich auch nicht mit Drechslers neuer Band, dem Cello Quartet. Ihr Album "Concinnity", was man mit "harmonischer Zusammenführung" wohl treffend übersetzten könnte, liegt bündig auf der ambitionierten Werkslinie des gebürtigen Schwaben. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, improvisationsfreudige Cellisten zu finden, stand 2008 dann ein Quartett in den Startlöchern, das sich an die Umsetzung der Klangvisionen des Bassklarinettisten machen konnte. Die Gegensätzlichkeit der Cellisten, hier die aus dem Kosovo stammende Rina Kaçinari mit ihrem rauen, zupackenden kräftigen Timbre, dort die fein ziselierten Bogenlinien und Pizzicati des Österreichers Christof Unterberger, korrespondieren famos mit den Linien der Bassklarinette und den rhythmischen Exegesen des Langzeitpartners Jörg Mikula. Schön, dass die Musik auf weltmusikalische und kammermusikalische Anleihen verzichtet. Vielmehr gelingt es den vier Musikern, eine authentische Gruppenklangsprache zu entwickeln, der jegliche Entsprechung fehlt. Keiner der Musiker spielt sich in den solistischen Vordergrund, einzig die Kompositionen in ihrer Gänze besitzen Relevanz. "See With Your Ears, Hear With Your Eyes" heisst einer der Titel auf dieser famosen CD. Dem ist nichts hizuzufügen. (Thorsten Hingst)