Ulrich Drechsler

Neue Vorarlberger Zeitung (Konzert-Rezension)/A, Mar 2012

DREAMTEAM UM DRECHSLER

Auf seiner aktuellen CD „Beyond Words“ versammelt der deutsche Bassklarinettist Ulrich Drechsler zwölf Kompositionen, die durch ihre Klarheit und Schönheit die Seele berühren und durch ihre Komplexität
und ihren Tiefgang den Intellekt ansprechen. Diese CD stellte der sympathische Deutsche am vergangenen Samstagabend in zwei kurzweiligen
Sets im gut besuchten Spielboden dem enthusiastischen Publikum vor.

Und auch live ging das Gehörte über das hinaus, was man mit Worten ausdrücken kann. Der CD-Titel ist somit programmatisch zu verstehen.
Nicht nur, dass die Musik Drechslers immer anspruchsvoll ist – erinnert sei
an sein Cello-Quartett, das er vor nicht einmal einem Jahr im Spielboden präsentierte – Drechsler findet auch immer wieder Musiker, die
für eine qualitätsvolle Live- Umsetzung garantieren.

Das Trio, das man am Samstagabend erleben durfte, ist ein Dream Team. Benny Omerzell: ein Glücksgriff. Der stille 27-jährige Vorarlberger hat alles,
was einen guten Jazz-Pianisten ausmacht. Als Sideman kann er sich zurücknehmen und als gefühlvoller Begleiter für einen harmonischen und
rhythmischen Teppich sorgen; als Solist verfügt er über eine virtuose Technik, die es ihm gestattet, geschmeidige perlende Läufe zu spielen. Dies
auch in ansprechender Geschwindigkeit.
Einerseits ein leiser Lyriker, realisiert er anderseits mit mächtiger Pranke vollgriffige Akkorde von großer Wucht. Dies führte er schon beim Opener „The Human Glow“ vor.

Der Tiroler Wolfgang Rainer am Schlagzeug lieferte mit seinen druckvollen energiegeladenen Rhythmen nicht selten den Kontrapunkt zu den schönen Melodiebögen, die der Bandleader auf seiner Bassklarinette entwickelte.
Oft waren lange, hohe Töne voller Sehnsucht die Zieltöne dieser spannenden Phrasen.
Viele Nummern waren dramaturgisch ausgeklügelt aufgebaut und entwickelten einen Sog, dem man sich nicht entziehen konnte. Fordernd. Anschwellend. Vom anfänglichen Pianissimo zum ekstatischen Fortissimo. Nicht entziehen konnte
man sich auch der Gesangskunst der israelischen Sängerin Efrat Alony. Als Gastmusikerin komplettierte die 36-Jährige diese Idealbesetzung. Alony ist gesegnet mit einer klanglich guten Stimme, deren Range drei Oktaven umfasst und es ihr somit ermöglicht, recht tiefe und hohe
Töne zu singen. Ihr Volumen erforderte eine sensible Mikrofontechnik: Oft genug hielt Alony das Mikrofon auf Bauchhöhe und überstrahlte
die Band trotzdem mühelos. Etwa beim Titel „A Twinkle in the Twilight“.
Immer wieder heftiger Beifall. Zwei Zugaben.